neu. Sonntagsanekdote

Des Fräuleins Sonntagsanekdote- A Ritz in the Park!

LW009

Ahoi liebe Fräuleins und Herren von Welt!

Man möchte es kaum glauben aber mir ist diese Woche tatsächlich kein Thema eingefallen. Vielleicht lag es an der Migräne oder an dem schreienden Kind von gegenüber (es schreit einfach aus Spaß) aber vergangene Woche war wenig los und ich gab mich dem Leid aufgrund meiner Kopfschmerzeen hin.

Da diesen Monat nun endlich die Open-Air-Saison in Nürnberg beginnt (Bardentreffen, Klassik Open Air, Freiluftkino und so weiter und sofort) gibt es dazu passend eine Geschichte aus dem letzten Jahr.
Nein, ich fliege nicht einmal um die ganze Welt, um dann mit einem Blumenkranz auf dem Kopf den ganzen Tag Selfies zu machen. Ich fahre gern abends wieder nach Hause. Ohne Blumenkranz.

Letztes Jahr war ich also mit Max+Matthias (Anm. der Redaktion: Namen geändert) bei einer Veranstaltung in einem sehr großen Park (auch hier verzichte ich lieber auf genauere Angaben)

Ich sollte vorher am Rande erwähnen, dass M+M eine sehr innige Männerfreundschaft verbindet. Beide absolut hetero aber Liebe und so.Gegegn Halbzeit der Veranstaltung erzählten mir beide von ihrem Plan, aus tiefster #Bromance heraus einen Baum zu verstümmeln und ihre Initialen als Zeichen ihrer Liebe in ihm zu verewigen.

Ich machte mich direkt zu Beginn mit investigativen  blöden Fragen beliebt:

„Was wollt ihr denn da rein ritzen?
„M+M“
„Also so wie die Nüsse?“
„……“
„Schreibt doch Max+Matthias“
„WIR KÖNNEN JA NOCH DIE STEUERIDENTNUMMERN DANEBEN RITZEN!“

Dann halt nicht.

Nach dem Konzert waren wir schnell allein im Park und dieser ist riesig. Zu Höchstzeiten passen hier mehrere zehntausend Leute rein. Ich machte mich direkt noch beliebter, als ich mehrmals sagte, dass das keine kluge Idee sei. Aber es war wie immer: keiner hörte auf mich.

Also, Baum ausgesucht, Taschenlampe an und ran an die Schnitzerei. Dass es nicht wirklich wie eine Kunstschnitzerei aus dem tiefsten Allgäu enden würde, wurde uns allen spätestens klar, als sich M1 am ersten M abmühte. Also am ersten Strich des 1. Ms.
Das Taschenmesser, Modell „gab es damals beim Bund“ war nicht mal mehr für die Selbstverteidigung gegen eine Gummipuppe geeignet.

„Das ist ziemlich schnell stumpf geworden. Vom ewigen Brötchen schmieren“

Wie beruhigend.

Gott sei Dank gibt es keinen Krieg in dem man womöglich sich selbst oder gar ein ganzes Land verteidigen müsste.
M1 mühte sich immer noch ab. Wird wohl nix mehr mit der Steueridentnummer, dachte ich mir.

Es könnte sich nur noch um Stunden handeln. Ich feuerte ihn an, indem ich ihm versicherte, dass ich das in halber Zeit schon 3 mal in den Baum gebissen hätte. Der Motivationsschub blieb seltsamerweise aus. Vor einem Messerangriff musste ich mich wenigstens nicht fürchten.
Wir waren fast allein im Park als sich von hinten Schritte anbahnten. Sicherlich besorgte Bürger, die hier mindestens eine rituelle Opfergabe vermuteten. Ich war schon in Stimmung einen blöden Spruch zu drücken, als ich im romantischen Mondschein sah, das besagter Mitbürger ein Funkgerät trug. Mit der Schnittkunst-Performance hatten wir es geschafft, die einzigen (!!!) 3 Polizisten anzulocken, die noch ihre Runde drehten, um Besucher, die ihren Müll einfach liegen lassen wollten, zur Rede zu stellen.

Stille. M1 steht immer noch mit dem Messer in der Hand da und hat bisher nicht mal einen halben Strich geschafft. Man merkte spätestens am ersten Satz des Funkgerätträgers, dass es bereits seit 100 Metern in ihm brodelte. Es stieg wohl von den Untiefen in seinen Füßen hoch zu den Stimmbändern, als er auf einer äußert fiepsigen Frequenz (Stichwort: nur für Fledermäuse ohne Schmerz hörbar!) fragte:

„WAS SOLL DAS DENN WERDEN?!“
„Wir lieben uns“

Oh Gott nein.
Ich bin echt keine große Expertin in solchen Sachen aber mit einem Klappmesser in der Hand in der Dunkelheit stehen und drei Polizisten „WIR LIEBEN UNS!“ zuzurufen, scheint mir nicht gerade die beste Idee zu sein. Deeskalation: Fehlanzeige.

„Hä? Was Sie da machen will ich wissen“
„Wir ritzen unsere Initialen in den Baum“

Schweigen. Er sieht mich an, er sieht M1 an.

„Also Ihre zwei?“
„Nö“

Ich sagte natürlich das, was jede a b s o l u t loyale Freundin in dieser Situation gesagt hätte:
„Ich hab damit nix zu tun. Ich hab gleich gesagt, das is ne dumme Idee“

„Dann sind also Sie zwei zusammen?“
M1: „Wir sind nicht zusammen, wir lieben uns nur“

Noch mehr Verwirrung.

Ich: „Das ist eine sehr innige Männerfreundschaft“

Es folgte wieder verwirrtes Schweigen. Irgendwie waren alle am Schluss nur noch verwirrt. Wir machten wahrscheinlich den Eindruck, als wären wir gerade aus irgendeiner Anstalt geflohen und uns mit einem (wenn auch stumpfen) Messer allein zu lassen, erschien wahrscheinlich jedem normal denkenden Menschen als äußerst schlechte Idee.

„Wenn ich noch einmal sehe, dass Sie irgendwas in einen armen Baum ritzen, dann geht das an die Stadt und die rufen den Baumdoktor (kein Witz) und das kost auf die schnelle mal 500€! MINIMUM!“

„Ja, aber..“

Ich weiss nicht, was M1 zu diesem „Ja, aber..“ ermutigt hatte. Dachte er wirklich, dass man das irgendwie ausdiskutieren könnte?

„Nix aber. Von mir aus ritzen Sie daheim in Ihren Esstisch was sie wollen aber das ist eine BIRKE! Da kriegen Sie sowieso nix reingeritzt“

„Haben wir auch schon mitgekriegt“
Mit dieser Antwort rangierte ich auf der Beliebtheitsskala nun endgültig zwischen Hitler und Pilzinfektion.

Das Messer wurde selbstverständlich eingezogen. Wir waren ja durchaus eine Bedrohung für die Allgemeinheit.

Also Kinder, gebt dem ritzen keine Chance. Also in Birken. Unnötig viel Kraftaufwand für unzufriedenstellendes Endergebnis. Macht es wie in den guten alten Zeiten, lasst euch tättowieren oder ritzt eure Initialen in eine Parkbank.

Liebe Grüße
Eure Lisa

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