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Des Fräuleins wöchentliche Kolumne- Das Frl. interpretiert (Hipster)-Kunst!

Ahoi Liebe Fräuleins und Herren von Welt,

A115Ich gebs zu. Die Ankündigung einer neuen Kolumne niederzuschreiben wenn in den darauffolgenden 2 Wochen 2 größere Geburtstage inklusive Feierei anstehen, war nicht eine meiner intelligentesten Entscheidungen. Bitte verzeiht mir aber in nächster Zeit werde ich auch nicht mehr 25.

Heute hatte nun meine Frau Mutter Geburtstag (einen Tag den sie selbst mit Vorliebe ignoriert und auch nicht daran erinnert werden möchte) und nach dem üblichen Familiendrama, welches bei keinem Geburtstag bei uns ausbleibt, die Torte gegessen und der Kaffee getrunken war, habe ich mich mit Nina zu einen kleinen, kulturellen Ausflug getroffen. „Kunst auf AEG“ nennt sich das Ganze an Nürnbergs Stadtgrenze zu F.. Fü..Fürt.. naja, diese Stadt mit dem unaussprechlichen Namen nach Nürnberg.

Auf dem ehemaligen AEG-Geländer, gegenüber der leerstehenden Quelle (irgendwie nicht so das optimistischte Viertel der Stadt) versammelt sich also alles was in Sachen Kunst Rang und Namen hat. Oder gerne hätte. Nach meiner fast schon Lourdé-mäßigen Begegnung mit der tanzenden  Waschmaschine (ich werde heute noch nachts wach und überprüfe die Anschlüsse meiner Waschmaschine) dachte ich ja lange, da kommt nix mehr. Und wieder mal kommt dieses Leben, dieses alte Schlitzohr, und brät mir eins über.

Ja gut, vielleicht bin ich nicht gerade mit der Ernsthaftigkeit an die Sache herangegangen die sich Malte Xaver Benjamin und Christine Mariane Schröder-Birnbaum sich gewünscht haben. Ich mag Kunst. Ich gehe sehr gerne ins Museum oder in Ausstellungen und kann auch an Motiven die mir persönlich nicht zusagen, etwas finden. Solange sie technisch für mich beeindruckend gemacht sind.
So viel Fairness muss schließlich sein.

In der großen Halle gab es nichts zu meckern. Klar, es sind Sachen dabei die mich nicht vor Begeisterung auf den Boden werfen aber der Großteil war interessant und schön anzusehen.

Und dann gab es die kleine Halle. Eher ein Räumchen. Mehr Platz hätte ich denen auch ehrlich gesagt nicht gegeben.

Wie gesagt, wenn es technisch interessant und/oder gut gemacht ist, motze ich selten bis nie aber das waren „Installationen“ die ich persönlich nicht ganz einordnen kann. Okay, vielleicht bin ich dafür zu blond. Oder zu blöd. Vielleicht fehlt mir auch dieses (irre zuckende) Auge dafür. Aber dann steh ich da in meiner eigenen Ahnungslosigkeit und lasse den Blick schweifen. Da stehen sie, die Hipster. Zwirbeln ihren Bart, lassen sich von ihren Röhrenjeans die primären Geschlechtsorgane abquetschen (die Evolution dankt) und schauen auf diese „Werke“ als hätte man ihnen eine neue Sorte Club Mate hingestellt. Mit offenen Mund, gläsrigen Augen.

Ich habe ein paar dieser Werke fotografisch festgehalten und werde mich nun mal an eine Deutung machen.

Nummer 1. „Weißer Kasten mit Begrüßung und 6 Granatsplittern“

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Granatsplitter. Ein Süßgebäck, vor allem in Süddeutschland bekannt. „Hello World“ zu deutsch: Hallo Welt.
Was will uns der Künstler damit sagen?
Ist es eine offene Kritik an der Bäcker-Innung? Ein Kommentar zu den steigenden Brotpreisen oder geht es hier um etwas völlig anderes? Vielleicht wollte der nicht näher bekannte Künstler ursprünglich den Beruf des Bäckers oder Konditors erlernen, kam aber nicht damit klar, das solch ein süßes Gebäck, mit Schokolade überzogen, Granatsplitter genannt wird. Granatsplitter. Krieg. Hitler. Vielleicht Hitlers Lieblingsgebäck? (Notiz an mich selbst: mehr N24 schauen um diese wichtige Information zu erhalten) Die Bäckerlehre abzubrechen war vielleicht ein auflehnen gegen diese Gesellschaft. 6 Granatsplitter an der Zahl. 6. Sex? Granatsplitter-Sex?
Vielleicht hatte er aber auch backmäßig nix auf der Pfanne und hat irgendwann gemerkt, dass es einfacher ist mit Pappmaché Granatsplitter zu formen.
(Hat jemand gezählt, wie oft ich Granatsplitter geschrieben habe?)

Nummer 2: „Übergroße hohle Karotte mit Männchen und Nachttischlampe in sich- Die Erleuchtung“

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Die Karotte an sich muss man auf sich wirken lassen. Naja, sonst wirkts nicht. In ihr befindet sich ein Schaumstoff-Männchen mit einer alten, verrantzten Nachttischlampe. Unter der Karotte befindet sich ein Tapir aus Pappe (?) mit Fell überzogen und an einen Clown gelehnt.
Diesen Eindruck muss man erst mal sacken lassen. Das ist deep. Hashtag #DeepTapir
Tapire fressen vor allem Pflanzen und Blätter. Keine Karotten. Aber vielleicht kennen Tapire auch keine Karotten? Wenn Tapire keine Karotten kennen, existieren Karotten dann eigentlich wirklich? Oder existieren am Schluss die Tapire nicht? Oder Clowns? Wart ihr schon mal mit einem Tapir, einer Karotte und einem Clown in einem Raum? Ich denke nicht.
Der Clown. Er bringt uns Freude und tröstet vielleicht den Tapir in seiner größten existenziellen Krise. Der Karottenkrise. Der Tapir wird dann durch das kleine Männchen im Inneren dargestellt. Neben ihm geht ihm selbst „ein Licht auf“.

Nummer 3. „Irgendwas mit einem Kopf und einem DVD-Player“

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Bei Nummer 3 fehlen mir ehrlich gesagt selbst so die Worte, dass ich nicht weiss wo ich beginnen soll. Zuerst sieht man nur ein „Ding“ man denkt sich im 1. Moment vielleicht „Okay, die nicht gelungenen Arbeiten hätte man nicht extra herschleppen müssen“ aber dann erblickt das multimedial geschulte Auge sofort das Fernsehgerät und den daran angeschlossenen DVD-Player.
I NEED A NEW GOOD FRIEND“ erscheint es dort in orangen Lettern auf dem Bildschirm am Boden. Und schnell wird einem klar, warum der Künstler einen neuen Freund sucht. Er hat sich gerade im Video den Penis abgeschält. An dieser Stelle muss ich kurz in mich gehen, aufhören zu hyperventilieren und das gesehene noch einmal in mein Gedächtnis zurückrufen. Obwohl diese Erinnerung den Platz einer schönen Kindheitserinnerung in meinem Gedächtnis eingenommen hat, aber wer braucht die schon?
Warum schält sich der Künstler den Penis? Tut das nicht weh? Und ist das nicht einfach nur echt blöd? Richtet sich dieser Protest gegen die Skinny-Jeans Hersteller die ihn und seine Hipsterfreunde genital einengen?
Das sind alles Fragen die sich nicht so einfach beantworten lassen. Man muss diese Fragen leben. Den Penis notfalls abschälen und sehen was rauskommt. Und ob das was rauskommt, wieder genäht werden kann. Ich sehe Karotten und meinen Haus-Tapir nun mit anderen Augen und werde morgen ein ernstes Wort mit meiner Bäckerreifachverkäuferin wechseln. Sowas darf nicht sein. Nicht heute. Nicht in Deutschland! Der Granatsplitter-Irrsinn muss ein Ende haben.

Mit diesen Gedanken entlasse ich euch nun in die Nacht.

Liebe Grüße
Eure Lisa

P.s diesen Beitrag sollte man nicht zu ernst nehmen. Jedenfalls nicht vollständig!

 

 

  • Miri

    Selten habe ich so billige „Kunst“ gesehen.. :-D.
    Beim Hashtag #deeptapir hat es mich gerade echt zerissen :-D.
    Was sind das denn für Möchtegern-Künstler gewesen? Und ganz ehrlich: Ich verstehe nicht eine einzige „Installation“.
    Karotten mit Lampen und Menschlein drin? Penis-schälende Typen? What?!
    Nicht mit mir!
    Aber vielen Dank das du diesen kulturellen Schatz mit uns geteilt hast und wir nun nicht dumm sterben müssen :-).

  • Aloha

    Wahrscheinlich kann man diese Art von „Kunst“ nich verstehen, wenn man nicht 38 Semseter freischaffende Kunst studiert hat und eine leichte Vorliebe für bewusstseinsverändernde Substanzen hat 😀

    Aber echt sehr gut geschrieben,

    Grüße aus Hawaii