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Des Fräuleins Sonntagsanekdote- von Punker-Paule und als eine Mutter mit mir Schluss machte

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Ahoi liebe Fräuleins und Herren von Welt!

Letztens kam ich über die Frage wie ich meinem Stil fand, bei Snapchat ins Reden und erzählte von einem meiner früheren Freunde (der übrigens roten Lippenstift an mir ganz furchtbar fand).
Ja, ich war nicht immer single. Ich weiss, es ist kaum vorstellbar aber es gab auch mal eine Zeit, in der ich relativ normale Beziehungen führte bei denen meine Freunde und Familie keinen Kuchenbasar veranstalten wollten, um mit dem Erlös einen Schlägertrupp als Ausdruck ihrer Meinungsverstärkung Solidarität nach Hamburg schicken wollten.
Da ich eine hohe Toleranzgrenze in Sachen Peinlichkeit habe, die Dinge einigermaßen verjährt sind und ich diesem Blog früher viel mehr dazu genutzt habe, kleine Anekdoten aus meinem Leben zu erzählen, möchte ich diese Tradition gerne wieder zum Leben erwecken. Vintage ist eben mein Ding! Deswegen möchte ich euch heute zwei Geschichten zum Preis von einer erzählen! Zwei meiner herzerwärmensten Lovestorys! Paul und Fabian.

Ich war ungefähr 15, Paul war 2 Klassen über mir und trug mit großer Begeisterung Bandshirts. Am liebsten Slayer und Slipknot und es lag die Vermutung nahe, dass er zuhause den kompletten Inhalt eines EMP-Katalogs im Schrank hängen hatte. In der Schule war ein Ansprechen natürlich nicht möglich aber meine Freundin, wir nennen sie mal Jane, hatte Fähigkeiten, die sie 20 Jahre zuvor für eine Stelle bei der Stasi prädestiniert hätten. Sie kannte jeden über 5 1/2 Ecken und so war es nicht verwunderlich, dass sie auch jemanden kannte, der jemanden kannte, der irgendwann mal mit Paul zutun hatte und uns weiter helfen konnte. Es war fast wie eine moderne Version von Romeo und Julia. Wir machten den betreffenden Typen aus und ich stand unter seinem Fenster. Nachmittags, mit einem meiner ersten Biere in meinem Leben (Jane konnte auch gut Bier von ihrem Vater entwenden) in der Hand und lallte ihm äußerst subtil etwas in der Art wie „KENNST DU PAUL?“ entgegen. Nachdem ich also ganz Bravo-Lovestorymäßig meinen Standpunkt und meine Absichten erklärte, rückte er die Adresse raus und so dackelten wir auch schon zu Paul. Damals hatte glücklicherweise noch keiner was mit Datenschutz und so am Hut.
Ich weiss noch, das Pauls Vater an die Tür ging und von meinem semialkoholisierten Auftritt einigermaßen eingeschüchtert war und da Paul nicht da war hinterließ ich meine Telefonnummer. Ja, Kinder, damals gabs noch Telefon.
Schon bei 1. Telefonat stellte sich heraus, dass Paul echt nicht die hellste Kerze auf der Torte war. Wir trafen uns zwei mal, er erzählte von seiner scientologymäßigen Slipknotabhängigkeit und ich nickte debil grinsend. Viel außer grinsen blieb mir auch nicht übrig. Spätestens nach dem 2. Treffen aka miteinander abhängen kam ich zum endgültigen Schluss „hohle Fritte. Aber richtig“. Paul war schnuckelig..bis er den Mund aufmachte. Er hatte weniger als 1% Humor in sich. Der Rest an ihm bestand aus Bandshirts.
Eines Abends wollte er sich mit mir treffen..Whooho! Abends! Knister Knister und so. Wir setzen uns ins Auto meiner Mutter und ich merke bereits auf dem Weg dahin, dass Punker-Paule nicht mehr wirklich nüchtern war. „Ich hab ne ganze Flasche Pflaumenschnaps getrunken und dachte, ich ruf mal an„. Boah Paul, geht ein bisschen weniger Romantik, bitte?!
Kaum ins Auto gesetzt fing es auch schon an. Er nannte es wohl „küssen„, ich würde es als eine Art chemisches Peeling bezeichnen. Dank des Pflaumenschnaps hatte er nicht nur die Kontrolle über sein Sprachzentrum, sondern auch über seine Zunge verloren. Sein Mund inklusive seiner  Zunge berührte alles, außer meinen Lippen. Er leckte mir im wahrsten Sinne des Wortes das komplette Gesicht ab. Nicht mal ein betrunkener Hund hätte so eine Dynamik entwickeln können. Als er außer Atem (oder endgültig ausgetrocknet) und ich 2 Hautschichten ärmer war, beschloss ich nach Hause zu gehen. Im Bett bemerkte ich, dass mein Gesicht ganz taub vom Schnaps war. Hohle Fritte? kann man unter Umständen nochmal drüber reden aber hohle Fritte und eine Cirque de Soleil- Nummer mit der Zunge in meinem Gesicht? Nein danke.

Fabian lernte ich über ICQ kennen (erst das Telefon, dann ICQ, googelt mal fleissig was das war!) und er und Paul waren sich ein wenig ähnlich. Beide blond, beide Metalfans (ich habe in meinem ganzen Leben nur Metalfans auserkoren), beide der Idealfall von Schnuckelig. Fabian hatte aber ein paar Prozent mehr Humor und war ca. 1 Meter kleiner als Paul. Wir waren knapp 3 Monate zusammen als er mir eine gewichtige Frage stellte:
Möchtest du am 2. Weihnachtsfeiertag zu uns kommen?“ Spätestens da war mir klar, dass das keine gute Idee war. Seine Eltern lagen höchstwahrscheinlich seit dem Tag ihrer Eheschließung im Clinch und hatten sich nichts bis gar nichts zu sagen. Seine Mutter traf ich vorher einmal, sie schüttelte mir die Hand als hätte ich Lepra und versuchte den Augenkontakt mit mir so gut es ging zu meiden. Ich bin kein Experte in Sachen Schwiegermütter aber man könnte dies als Zeichen in Richtung Antipathie deuten.
Da saß ich nun am 2. Feiertag zusammen mit einer Familie die sich gegenseitig nicht ausstehen konnte. Fabians Mutter kochte ihm früher Pudding ohne Zucker. Sowas belastet die Mutter-Kind-Beziehung nicht unerheblich.
Sein Vater saß auf der Eckbank mit dem Blick nach unten gesenkt als würde er nur darauf warten, endlich aus dieser Horrorshow namens Familie outgesourced zu werden.
Seine Mutter aß nichts. Also eigentlich nie. Auch nicht an Weihnachten. Sie und ihr Mann gingen einmal im Monat zum tanzen und sie wurde nicht müde zu erwähnen, dass sie ja nicht miteinander tanzen müssten. Hashtag: Couplegoals.
Ich saß brav da, aß und versuchte so gut wie möglich jede Art von Konversation zu vermeiden. Das konnte einfach nicht gutgehen und wenigstens damit sollte ich Recht behalten. Nachdem seine Mutter voller Elan (Hass kann so antreibend sein), von ihren liebsten Joggingstrecken und fettfreien Salatdressings erzählt hatte, brachte sie eine Bibel an den Tisch. Okay, entweder folgt nun ein Exorzismus oder es wird gleich richtig unangenehm. Sie erzählte, dass sie in schwierigen Momenten eine willkürlich ausgewählte Seite aufschlug und dann immer etwas laß was sie in ihrer Situation aufheiterte. Bis dahin war noch alles im grünen Bereich. Ich halte es in Sachen Kirche und Bibel wie Roberto Blanco (ja, genau der!), der einmal sagte: „Ich glaube an Gott aber nicht an sein Bodenpersonal„. Wie viele düstere Momente hatte die Frau bitte? und wie viele Bibeln hatte ihr Mann wohl schon in dieser Ehe wohl schon verschlissen? Fragen, die ich lieber nicht laut stellte. Sie begann von der Konfirmation ihrer Kinder (Zwillinge, deswegen also auch gleichzeitige Konfirmation) zu erzählen. Wenigstens eine Sache, die sie neben ihrem täglichen Kaloriendefizit noch glücklich machte. „Als Fabian einmal krank war, kam der Pfarrer sogar zu uns um mit ihm den Stoff der Stunde durchgehen zu können„. Sie sagte das so, als wäre die Queen höchstpersönlich mit der Linie 43 vom Hauptbahnhof zu ihnen gefahren.
Das ist ja toll“ heuchelte ich, „ich hab gar nicht konfirmiert“ schob ich gleich hinterher und was dann folgte war das Paradebeispiel einer Gesichtsentgleisung. 4 Gesichter starten mich in Schockstarre an. Kurz dachte ich, ich hätte schon wieder mein brennendes Kreuz im Garten stehen lassen aber es war schlicht und ergreifend mein mangelndes Interesse daran, mich in eine Kirche zu stellen und eine Kerze in der Hand zu tragen, nur weil meine Großeltern mir danach ein super cooles neues Jugendzimmer oder den Führerschein schenken würden. Ein Wort: Erpressung. „Wenn du konfirmirst dann…“.
„Aha“
. Aus diesem einen Wort konnte ich schließen, dass ich mich gerade selbst aus dieser Beziehung und auch aus dieser Familie outgesourced habe. Sein Vater musste danach sicherlich einige Seiten in der Bibel aufschlagen. Die Antipathie seiner Mutter mir gegenüber war für Fabian, nennen wir es mal, „unschön“. Seine Mutter konnte ihn schon kaum leiden aber ich war endgültig unten durch. Das Ende der Beziehung wurde 3 Wochen später dann offiziell von seiner Mutter (wem sonst) telefonisch abgewickelt. Fabian hatte Geburtstag und ich rief an (ja, es gab damals immer noch Telefone..). Seine Mutter war am anderen Ende und die Anrufzeit fiel ähnlich wie ihr BMI aus- einstellig.
Fabian ist nicht für dich zu sprechen. NIE MEHR! Es wäre also besser, wenn du nicht noch einmal anrufen würdest

Ich muss wohl kaum erwähnen, das ich selbst heute, 10 Jahre später keinen Pflaumenschnaps riechen, geschweige denn trinken oder?!
Ist euch in eurer Jugend oder heute (hoffentlich in eurer Jugend!) soetwas passiert?

Ich hoffe, euch gefällt meine 1. Sonntagsanekdote und wenn ihr Wünsche für kommende Beiträge habte, dürft ihr sie gerne mit mir teilen!
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag

Eure Lisa