[mc4wp_form id="5389"]

Drinks& Dresses Flohmarkt oder auch #Failmarkt

By Posted on 7 10 m read 233 views

Ahoi liebe Fräuleins und Herren von Welt!

Ich bin ganz ehrlich, eigentlich wollte ich diesen Beitrag nicht schreiben. Ich wollte nicht als die maulende Liese dastehen, weil ich das Gefühl hatte, vielleicht selbst an der ganzen Misere schuld zu sein und da wirkt nichts unattraktiver als Schuldzuweisungen.

Dann hat mir Jutta, die an dem Tag meine Stand-Genossin war, einen Link von Carolins Beitrag geschickt, den ich euch sehr ans Herz legen möchte, denn er beschreibt unabhängig von meinem Beitrag wie der Tag verlief.

Eine kurze Einleitung:

Vor ca. 2 Wochen wurde ich von Drinks&Dresses angeschrieben und gefragt, ob ich nicht Lust hätte am Flohmarkt als Verkäuferin teilzunehmen. Ich war direkt begeistert, denn ich hatte vor ein paar Wochen in einem akuten Anfall (Danke Marie Kondo) rigoros aussortiert. Mehrere blaue Säcke voll mit Schuhen, Kleidern, Taschen und allerlei Accessoires standen nun also herum (der Salon und das Billardzimmer sind leider schon voll) und ich dachte mir, bevor ich mir die Mühe mache und alles einzeln bei Kleiderkreisel oder ebay einstelle, wäre so ein Flohmarkt doch ideal. Im besten Fall bekomme ich alles auf einmal los, habe Cash auf der Hand und kann mit meinen Millionenbeträgen auf die Rente warten.

Disclaimer weil wir hier im Internet sind: Ich musste keine Standgebühr (45€) zahlen, es gab aber keinerlei Vereinbarung darüber ob und wenn ja wie viel und vor allem was ich posten muss!

Dass so ein Flohmarkt im Vorfeld viel Arbeit bedeutet, muss ich euch wahrscheinlich  nicht erzählen. Ich habe in diesen 2 Wochen weiter aussortiert, gewaschen, getrocknet, gebügelt und entstaubt (die Schuhe) und zusammengepackt. Aber das macht man ja gern.

Die Veranstaltung fand in der Mercedes Benz Niederlassung statt. Sehr fancy, sehr groß, sehr edel. Hier wird auch der Ball der Unternehmer veranstaltet und es ist im Grund eigentlich ein perfekter Veranstaltungsort. Da kommen wir auch schon zur ersten konstruktiven Kritik. Bei diesem Flohmarkt waren keine Männer erlaubt. Ich persönlich raffe nicht ganz wieso aber okay. Ich bin auch kein Marketing-Genie aber wäre es nicht bei weitem intelligenter gewesen, die Männer reinzulassen? Für mich wirkt das wie der wahr gewordene feuchte Traum jedes durchschnittlichen heterosexuellen Paares: Die Frau geht mit der Weinschorle in der Hand shoppen und er Mann reibt sich am 100.000€ AMG. Ich denke persönlich nicht, dass es durch die Männer tumultartige Zustände gegeben hätte und selbst wenn, herrscht immer noch ein Hausrecht und man kann rauswerfen wen man will.

Zurück zur Story. Jutta und ich kamen also an und begannen unseren Tisch herzurichten. Wir waren im ersten Moment etwas (haha) verunsichert. Neben uns war ein Stand mit Schmuck und sogar EC-Zahlung (hat für mich ehrlich gesagt nichts mit Flohmarkt zutun aber das ist nur meine bescheidene Meinung) und auf der anderen Seite ein Stand mit viel hochpreisiger Designerware (Gucci, Escada, Chanel), gegenüber das gleiche Bild.

Jutta hatte einige Schuhe dabei und vor allem Nagellacke (natürlich alles Marken). Meine Mischung bestand aus Asos, h&m, Collectif, Gerry Weber, BonPrix, New Look und dem berühmt berüchtigten Tüllkleid von Lanvin für h&m. Meine Schuhe waren zu 98% ungetragen und in allen Farben des Regenbogens vorhanden.

Jetzt komm ich schon zu Punkt 2 und 3:

Ich bin ehrlich kein Fan davon wenn Händler bei Flohmärkten dabei sind. Ich finde es bei „normalen“ Flohmärkten unschön und bei solchen hier gleich doppelt. Es wird damit geworben, dass man eben aussortiert oder „Kleider für 5 Frauen mit 7 verschiedenen Größen“ im Schrank hat und es dort verkauft. Für mich gibt es schlicht und ergreifend einen Unterschied zwischen Neuware und Flohmarkt-Ware. Ich habe mindestens 6 Stände gezählt, die nur Neuwaren hatten. Babykleidung, Schmuck, Bastelgraffl und und und. Die Verkäufer an diesen Ständen verhandeln auch nicht. Das hat für mich auch nichts mit Flohmarkt zutun. Wenn ich dort hin gehe will ich verhandeln!

Dass diese Stände natürlich um Längen professioneller dekoriert haben als die anderen, muss ich kaum erwähnen. Da dachte man teilweise schon, da war ein Gestalter für Visuelles Marketing dran. Auch Schilder mit „WIR VERKAUFEN NUR NEUWAREN“ find ich bei so einer Veranstaltung nicht in Ordnung.

Der nächste Punkt ist die Koordination/ Organisation und das Publikum.

Es wurde ausschließlich bei Facebook Werbung gemacht, andere sozialen Medien wurden einigermaßen Stiefmütterlich behandelt. Bei der Organisation vor Ort (Kontakt per Email war 1a) hatte ich das Gefühl, dass die rechte Hand nicht weiss, was die linke macht. Es waren einfach zu viele Verantwortliche vor Ort. Ich habe nach 3 Stunden gefragt, ob ich mir einen Stuhl nehmen könnte (wir haben unsere natürlich vergessen) und da es sich um ein Autohaus handelte, gab es natürlich Stühle. Ich bin also noch so ehrlich und frage vorher und nehme mir nicht einfach einen und bekomme als Antwort „uhhh, das is ehrlich gesagt schlecht. Weisst du, keiner nimmt sich hier Stühle

  1. Ich habe nicht nach einem Spenderorgan gefragt, ich wollte meinen Hintern platzieren.
  2. Als ich dann fragte, warum die 3 Stände neben uns alle in schwarzen Lederstühlen sitzen würden bekam ich als Antwort „Das sind Ausnahmen. Die wurden alle operiert“

Okay, ja, ich bin auch manchmal leichtgläubig. Natürlich könnte man sich fragen, warum jemand der frisch operiert ist, keinen Stuhl mitbringt oder warum er überhaupt zum Flohmarkt geht aber ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht, wenn Standbetreiber was vorlügen und eigentlich ein Holzbein tragen oder eigentlich 30 Minuten vor dem Flohmarkt noch operiert worden- ist nicht mein Business aber mich gleich in die Ecke drängen zu wollen von wegen „DU fragst hier als einzige nach einem Stuhl und alle anderen sind brav und haben ihren eigenen Stuhl mitgebacht“ fand ich unnötig.

Die Musik:

Man stelle sich folgende Situation vor. Lisa S. aus N. 27 Jahre alt, hat nach 2 Wochen Vorbereitung, 3 Stunden rumstehen und 0€ Einnahmen in dem 98.000€ teuren Benz hinter ihr Platz genommen, weil ihr ein Stuhl verwehrt wird und starrt nun mit toten Augen und der Hoffnung auf Erlösung nach draussen. Währenddessen läuft ein Song von Xavier „Natürlich bin ich kein Reichsbürger aber habt ihr euch schon mal gefragt warum es PERSONALausweis heißt? genau! wegen PERSONAL der BRD GMBH“ Naidoo von der allseits beliebten Spotify-Playlist „I buy me a strick and hang me up-vol 3.„. Ich hab nicht Scooter erwartet aber ein bisschen was „peppiges“ ,was einen nicht fantasieren lässt wie es wohl wäre von dem Jeep da hinten überrollt zu werden („endlich mal wieder was fühlen“). Von mir aus sogar Helene Fischer (ja, SO verzweifelt war ich).

Das Publikum:

Um es kurz und schmerzlos zu machen: Hauptsächlich handelte es sich dabei um die beliebte und geschätzte „Fashion-Mutti“ (oder fränkisch: Fäschn-Muddi). Frauen jenseits der 40 die ihren Samstag nicht damit verbringen müssen, die Angebote bei Aldi und co. kommende Woche zu studieren. Diese Frauen suchen natürlich Marken, waren aber nicht bereit MarkenPREISE zu zahlen. Die Kolleginnen am Stand neben uns erzählten auch: „Teure Sachen wollen sie nicht, dann werden sie wütend wegen dem Preis. Billig wollen sie auch nicht“. Die jungen Leute die kamen, investierten die 5€ Eintritt um mal wieder ein paar coole Bilder vor einem Mercedes zu schießen und damit das nächste halbe Jahr auf Instagram klar zu kommen. Da wir ja Zeit hatten haben wir auch beobachtet und ich persönlich habe keine Verkäufe gesehen. Es wurde angefasst, probiert und fertig. Es wurde auch gar nicht erst angefangen zu handeln. Nicht mal der Versuch unternommen.

Nach 4 Stunden, 3 Xavier Naidoo Songs und dem Wunsch nie wieder ein Autohaus betreten zu müssen, rissen wir den Riemen runter. Wir packten unsere Sachen, gingen zum giftgrünen Benz um ein Erinnerungsfoto von diesem fantastischen Tag (Erinnerungen sind was schönes) schießen zu lassen und starrten mit leeren Augen in die Kamera.

Die Intervention:

Als wir auf unser Bild warteten, kam eine Mitarbeiterin zu mir. Sie nannte ihren Namen nicht, wusste aber scheinbar wer ich bin. Es begann als ganz normales Gespräch:

„Heeeeeeey, ich hab gesehen, ihr habt schon zusammengepackt?“
„Ja, leider lief es halt gar nicht. Wir haben kein einziges Teil verkaufen können“
„Ja das ist halt immer so das Risiko bei Flohmärkten“
„Ja das stimmt, da steckt man nicht drin“

Das Gespräch nahm dann eine ungeahnte und gleichermaßen unangenehme Wendung. In einem vorwurfsvollen Ton, als wäre ich wie ein blasser Mr. T mit Mercedes-Sternen behangen vor ihr gestanden, kam ein entrüstetes „Ich finde das total unfair von euch!“

Was bitte? Hab ich irgendwas verpasst?
„Wieso?“
„Es geht doch noch 2 Stunden und ihr könnt doch nicht einfach zusammenpacken und gehen“

Ich persönlich wusste nicht, dass ich mich hier für die Guantanamo-Version von Flohmarkt angemeldet habe wo ich bis ZUM BITTEREN ENDE ODER BIS DIE DEUTSCHE REGIERUNG WAS…okay lassen wir das. Ich wusste nicht, dass ich bis zum Schluss bleiben MUSS.
Ich habe dann nochmal versucht zu erklären, dass ich nicht 100€ eingenommen habe und deswegen beleidigt bin, sondern dass wir genau 0 (in Worten: NULL) Euro eingenommen haben. Da ging an der zuständigen Mitarbeiterin total vorbei und ich bekam wie von einer kaputten Langspielplatte immer wieder nur den Satz „das finde ich total unfair von euch“ zu hören. Ich hab irgendwann gemerkt, dass hier kein erwachsenes Gespräch möglich ist und wollte schon abdampfen als die B-Seite kam: „Außerdem habt ihr nicht mal Standgebühr gezahlt

Btw: Carolin, die bis zum bitteren Ende blieb, berichtet auf ihrem Blog, dass gegen 19 Uhr bereits die Aufräumarbeiten losgingen. Man fragt sich dann natürlich schon warum.

So, hier ist dann auch mal bei mir ein Fass voll. Ja, wir mussten keine Standgebühr zahlen aber wenn wir  schon beim Thema Fairness sind: 1. wenn ihr mit Bloggern/Influencern arbeiten wollt und euch sicher sein wollt, dass bestimmte Bedingungen eingehalten werden: schafft Bedingungen!

2. Ich hab keine Standgebühr gezahlt, ich hab aber auch in 2 Wochen mehr Leute auf euer Event aufmerksam gemacht als ihr. Meine Beiträge über das Events waren bis gestern die einzigen bei Instagram, ich war die einzige die vom Event aus was gepostet hat und den Hashtag benutzt hat. Ich finde solche Sachen „aufrechnen“ immer unschön aber ich lass mich sicherlich hier keine Unverschämtheiten unterstellen nur weil von Seiten der Organisation keiner weiss wie man mit den sozialen Medien und deren Kanälen umgeht. Und von wegen Unfair. Wie unfair ist es eigentlich den anderen Verkäuferinnen gegenüber wenn sie 45€ Standgebühr zahlen müssen und dann aufgrund der falschen Werbestrategie mit einer Nullnummer da rauskommen oder, wie ich vermute was noch häufiger passiert sein wird: mit Minus in der Kasse?

Auch ein Punkt zum Thema Fairness: 1. Es liefen Männer beim Flohmarkt rum. Mich persönlich hätte es wie gesagt nicht gestört aber andere Verkäuferinnen waren sehr verärgert und keine Mitarbeiterin hat eingegriffen. 2. Der Eintritt. 5€ Eintritt sind ja okay aber man muss die Leute auch abkassieren. Als meine Schwester rein kam um uns beim tragen zu helfen (nachdem ich meiner Mutter ins Telefon geflennt habe, sie möchte doch nun bitte SOFORT kommen weil mir die ganze Situation zu unangenehm wurde) hat sie kein Mensch angehalten. Meine Schwester ging am Büdchen vor der Tür einfach vorbei, hatte noch Blickkontakt mit der Kassenbeauftragten und starrte danach wieder ins Handy. Meine Mutter saß außen im Auto und hat noch mindestens 10 weitere Leute einfach reingehen sehen und die Verantwortliche hat weiterhin ins Handy geschaut. Wie fair ist es also, dass die ersten 50 oder so eintritt zahlen und der Rest nicht?

Das ganze hier soll nicht als einziger Hate gesehen werden. Die Idee ist gut und man sieht in anderen Städten, dass solche Mädchenflohmärkte oder Bloggerflohmärkte sehr gut laufen. Es sollte nur an der ganzen Planung geschraubt werden. Lieber vorher festlegen WAS verkauft wird. Nur hochwertige Markensachen? dann kommen auch nur Leute die bereit sind dementsprechende Preise zu zahlen. Oder einen Flohmarkt nur mit „günstigeren“ Sachen wie h&m, Zara, Mango usw. dadurch zieht man auch genau das Publikum an, dass man haben möchte und alle 3 Seiten freuen sich. Die Verkäuferinnen über Umsatz, die Käuferrinnen über Schnäppchen und die Organisatoren über ein gelungenes Event. Außerdem würde ich keine Händler mehr mitmachen lassen, denn wenn ich etwas zum Originalpreis kaufen möchte, geh ich direkt in den Laden und hole es dort.

Der Ausflug endete damit, dass ich nicht mal meine 3,50€ für den Becher Kaffee wieder reinbrachte, vor versammelter Mannschaft wie ein unmündiges Schulkind zusammengestaucht wurde und einer Panikattacke nicht mehr fern im Eiltempo von dieser Veranstaltung weg wollte. Während wir das Autohaus verließen schrie eine aufgebrachte Mitarbeiterin noch etwas einer anderen zu aber wir waren zum Glück schneller und es wurde auch kein Netz nach uns ausgeworfen.

Abschließend lässt sich sagen, dass das ganze eher frustirende und einigermaßen erniedrigend war. Ich habe wirklich gedacht, es lag an uns und unseren Sachen und ich bin einigermaßen beruhigt, dass dem nicht so war.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag (und unserem Elend) ein wenig erheitern und vielleicht habt ihr auch ähnliche Storys erlebt? lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Und um das einzig positive an dieser Erfahrung, endlich im Leben mal in einem AMG sitzen zu können, zu feiern hier ein passender Song:

Liebe Grüße
Eure Lisa

XOXO
signature

Share this article